Zahnfleischtaschen

Wenn Zahnfleischtaschen durch Parodontose zum Risiko werden

Zahnfleischtaschen und ihre Folgen sind in der Bevölkerung sehr verbreitet. Die Prophylaxe ist aber für jeden einfach umzusetzen.Berlin - alarmierende Zahlen: Jeder zweite über 50 Jahren leidet an Parodontose. Bei jüngeren Semestern ist es bereits jeder Dritte. Die kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin hält Parodontitis für eine "Volkskrankheit". Dabei wäre Prophylaxe so einfach.

Dazu gehört es, der Entwicklung von Zahnfleischtaschen vorzubeugen, die den idealen Nährboden für Bakterien darstellen.

Inhaltsübersicht:

Was versteht man unter Zahnfleischtaschen?

Zahnfleischtaschen werden in echte und Pseudotaschen unterschieden. Letztere entstehen durch geschwollenes Zahnfleisch.Eine Zahnfleischtasche entsteht dann, wenn sich das Zahnfleisch vom Zahn zurückzieht. Es bilden sich Ablagerungen, die zu einer Entzündung des Zahnfleisches führen. Zahnfleischtaschen werden unterschieden in Pseudotaschen und echte Taschen.

Bei Pseudotaschen handelt es sich in der Regel um eine Anschwellung des Zahnfleischrandes. Echte Taschen hingegen zeichnen sich durch den Verlust des Knochens und die  Verschiebung des Zahnfleischansatzes aus. Zahnfleischtaschen werden auch als Knochentaschen bezeichnet. In ihnen sammeln sich Ablagerungen, die sogenannten Konkremente, die sich aus Bakterien und Blutresten zusammensetzen. Sie fallen durch ihre dunkle Färbung auf und haften in der Regel fest am Zahn oder an der Wurzeloberfläche.
Eine Behandlung durch den Zahnarzt ist unumgänglich, da sich die Tiefe der Tasche sonst immer weiter führt und die Konsequenz daraus eine Parodontitis sein wird. Die Tiefe dieser Taschen zeigt die Schwere einer Entzündung. Sie ergibt sich aus dem Abstand des Taschenbodens zum oberen Zahnfleischrand.

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Wie werden sie gemessen?

Um Zahnfleischtaschen zu messen, nutzt der Zahnarzt eine Parodontalsonde. Über 2mm gilt sie als behandlungsbedürftig.Um herauszufinden, ob Zahnfleischtaschen potentielle Entzündungsherde bzw. behandlungsbedürftig sind, führt der Zahnarzt eine Messung durch. Dafür nutzt er eine sogenannte Parodontalsonde, mit der er die Tiefe vom oberen Zahnfleischrand bis zum Taschenboden misst.

Bis 2mm ist die Taschentiefe im Normbereich. Alles was darüber hinausgeht, ist behandlungsbedürftig, da der Patient selbst die Reinigung nicht mehr ausreichend vornehmen kann. Auch ist der Speichel bei dieser Tiefe nicht mehr in der Lage, die körpereigene Spülung zu erreichen.

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Entwicklung der Zahnfleischtaschenentzündungen in den letzten Jahren

Tiefe Zahnfleischtaschen lassen sich mit effektiver Mundhygiene vermeiden.Entzündungen der Zahnfleischtaschen werden mehr und mehr zu einer neuen Volkskrankheit. Sie treten vermehrt auf und betreffen alle Altersklassen. Die häufigste Ursache für diese Erkrankung liegt vor allem in einer mangelhaften und unregelmäßigen Mundhygiene.

Sehr oft ist die daraus resultierende Zahnsteinbildung verantwortlich für die Entstehung tiefer Zahnfleischtaschen, wenn es nicht zu einer regelmäßigen Entfernung kommt.

Parodontitis, im umgangssprachlichen Gebrauch als Parodontose bezeichnet, ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodont), von dessen (bakteriell bedingter) fortschreitender Zerstörung sowohl das Zahnbett als auch Binde- und Knochengewebe betroffen sind. Infolge der Zahnfleischentzündung entstehen die oben beschriebenen Zahnfleischtaschen, kleine Nischen, welche Bakterien ein geschütztes Umfeld für weiteres Wachstum bieten. Die freiliegenden Zahnhälse können beim Einsatz der zahnärztlichen Instrumente während der Reinigung der Zahnfleischtaschen erhebliche Zahnschmerzen verursachen.

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Innere und äußere Ursachen

Tiefe Zahnfleischtaschen und in der Folge Parodontose entstehen durch Bakterien. Diese können von Mensch zu Mensch übertragen werden, begründen sich jedoch zumeist auf einer Ansammlung von Zahnbelag (Plaque), einem Biofilm aus Bakterien, der beim Essen entsteht. Entstehende Giftstoffe und Säuren (Ausscheidungsprodukte dieser Bakterien) greifen bei längerem Verbleib vor allem in den Zahnzwischenräumen das Zahnfleisch und auch die Zähne an.

Das Zahnfleisch entzündet sich und der angeschwollene Zahnfleischrand behinder die gründliche Zahnreinigung. Als Folge bilden sich die immer tiefer werdenden Zahnfleischtaschen. Mittlerweile wurde eine familiäre Häufung von Parodontose mit Zahnfleischrückgang festgestellt, sodass also auch eine Veranlagung das Risiko zu erhöhen scheint.

Faktoren, die das Erkrankungsrisiko noch erhöhen:
  • Mangelhafte und/oder unregelmäßige Mundhygiene
  • Zahnstein
  • Rauchen
  • geschwächtes Immunsystem infolge von:
    • Krankheit
    • Stress
    • ungesunder Ernährung

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Schwerwiegende Folgen von Parodontose

Die bakteriellen Stoffwechselprodukte in der Zahnfleischtasche können den Knochen angreifen und dessen Abbau bewirken. Infolgedessen lockert sich der betroffene Zahn und fällt evtl. ganz aus.

Zahnfleischtaschen können eine schwere Parodontose und im Verlauf auch andere schwerwiegende Erkrankungen zur Folge haben.Mit einer chronisch verlaufenden Parodontose steigt das Risiko für schwere Folgeerkrankungen erheblich, denn hier befinden sich bereits Bakterien in der Blutbahn. An der Herzinnenwand festgesetzt, können diese beispielsweise zu irreparablen Schädigungen führen. Tägliches Verschlucken der gefährlichen Keime kann zudem Infektionen der Harnwege hervorrufen.

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Wie werden Zahnfleischtaschen behandelt?

Die jeweilige Behandlungsmethode kann ganz unterschiedlich sein, da sie von der Art und der Schwere der Erkrankung abhängig ist. Das Hauptziel besteht darin, die vorhandenen Bakterien gründlich zu entfernen. Dieses kann durch eine professionelle Zahnreinigung, bei der auch die Zahnfleischtaschen gereinigt werden, die bis hin zu einem chirurgischen Eingriff erfolgen. Damit es in Zukunft weit weniger Erkrankungen dieser Art gibt, sollte in jedem Fall regelmäßig ein Zahnarzt aufgesucht werden.

Bei der Therapie von Zahnfleischtaschen (Parodontosebehandlung) gibt es in der Regel vier unterschiedliche Behandlungsphasen:
  • Die Hygienephase
  • Die geschlossene Behandlungsphase (geschlossene Parodontosebehandlung)
  • Die offene Behandlungsphase (offene Parodontosebehandlung)
  • Die Antibiotika- und antiseptische Begleittherapie

1. Hygienephase

Im Anfangsstadium der Parodontose gilt es zunächst alle Bakterienherde im Mundraum auszuschalten, um das Bakterienwachstum zu verringern und kontrollieren zu können. Hierbei werden wenn nötig Zahnfüllungen gesetzt oder erneuert und Zähne, welche nicht mehr zu erhalten sind, herausgenommen. Neben dem Einsatz von antibakteriellen Spülflüssigkeiten wird der Patient zur optimalen Zahn- und Mundpflege angeleitet. Auch die regelmäßige Messung der Zahnfleischtaschen ist Teil dieser Phase.

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2. Geschlossene Behandlungsphase

Zahnfleischtaschen werden in der geschlossenen Behandlungsphase zum Beispiel per Airflow oder mit Küretten gereinigt.Bei Bedarf geht der Zahnarzt in die geschlossene, nicht invasive Behandlungsphase über. Hierbei werden unter Zuhilfenahme von Küretten, speziell geformten Instrumenten, Airflow (Salzwasserstrahler), Ultraschallgeräten oder Laser, harte und weiche Zahnbeläge ohne Zahnweh entfernt.

In den meisten Fällen kommt es durch diese "Hygienemaßnahme" zur Besserung des Gesamtzustandes. Zudem ist es eine gute Prophylaxe zum Schutz neuer Entzündungen.

Ab ca. 3,5 mm Tiefe der Zahnfleischtaschen wird in der Regel an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (rechte und linke Mundhälfte) der jeweilige Bereich erst oberflächlich gereinigt, um Bakterienherde einzudämmen. Im zweiten Teil folgt dann das Abtragen der Beläge in der Zahnfleischtasche entlang der Wurzeloberfläche in örtlicher Betäubung.Im Anschluss hat das Zahnfleisch wieder die Möglichkeit, sich wieder an den Zahnhals anzulegen und so sich zu regenerieren. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen wird so reduziert.

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3. Offene Behandlungsphase

Um sehr tiefe Zahnfleischtaschen zu behandeln, die mehr als 6mm tief sind, kann ein chirurgisches Öffnen des Zahnfleisches zur besseren Einsicht nötig werden. In kleinen Schnitten tastet sich der Zahnarzt heran.

Bei sehr tiefen Zahnfleisch- bzw. Knochentaschen kann eine chrirugische Öffnung vorgenommen werden, bei der auch der Knochen durch Ersatzmaterialien wieder aufgebaut wird.

Oftmals sind hier bereits Knochenschäden vorhanden. Diese Knochentaschen müssen gesäubert und mit Knochenersatzmaterialien aufgefüllt bzw. mit Membranen abgedeckt werden.

Emdogain-Gel (Schmerzmatrixprotein) beispielsweise ist ein biologisches Protein, welches den Knochenhalteapparat nach einer Parodontitis in einem ursprünglichen Prozess der Zahn- und Knochenbildung wiederherstellen kann. Vergleichbar der Entwicklung der Zähne eines Kindes.
Das Zahnfleisch wird mit einer Naht verschlossen und heilt binnen einer Woche ab.

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4. Antibiotika- und antiseptische Begleittherapie

Neben der Reinigung und weiteren Behandlung der Zahnfleischtaschen hilft auch eine parallele Antibiotikatherapie dabei, die Bakterien einzudämmen.

Entsprechend des vorhandenen Bakterienstamms, sowie der Entzündungsstärke werden spezielle Antibiotika angewandt, um die Entzündungen in den Zahnfleischtaschen auch medikamentös einzudämmen.

Entweder wird es lokal in die Taschen eingebracht oder systemisch, so dass es über die Blutbahn im Körper wirken kann. Zudem kann eine Parandontitis-Behandlung durch antibakterielle Mundspüllösungen ergänzt werden. Durch Abdrücke und Gipsmodelle angefertigte, den Zahnreihen angepasste Kunststoffschienen, ermöglichen antibakteriellem Gel, etwa zwei Mal täglich über mehrere Minuten auf das Zahnfleisch einzuwirken.

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Prophylaxe tiefer Zahnfleischtaschen und Parodontose

  • Stärkung des Immunsystems durch gesunde Ernährung und ausgleichenden Lebenswandel
  • Zucker, Nikotin und Alkohol reduzieren, bestenfalls weglassen
  • keine süßen Getränke (auch keine Fruchtschorlen) vor dem Schlafengehen
  • Nach süßen Speisen oder Getränken Zähne putzen
  • regelmäßig Zahnseide verwenden
  • 1-2 Mal jährlich professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis wahrnehmen, bei der auch die Zahnfleischtaschen vermessen und gereinigt werden

Reichen Maßnahmen zur Prophylaxe nicht mehr aus, ist eine zahnärztliche Untersuchung und Therapie dringend notwendig.

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Alternatives Programm zur Schmerzausschaltung bei der Zahnfleischtaschenreinigung

Moderne Verfahren zur Behandlung tiefer Zahnfleischtaschen ermöglichen die Behandlung ohne Schmerzen und Angst, auch für Risikopatienten.Werden Menschen gefragt, warum sie nicht oder nur unregelmäßig zum Zahnarzt gehen, begründen sie dies meistens mit der Angst vor Schmerzen. In der Parodontose Therapie gibt es jetzt eine sanfte Alternative zur Schmerzausschaltung während der Reinigung der Zahnfleischtaschen, welches auch in der Fachsprache als subgingivales Scaling oder Root Planing bezeichnet wird.

So ist das Reinigen der Zahnfleischtaschen auch für Angst- oder Risikopatienten ein wichtiger Baustein der Parodontologie in der modernen Zahnarztpraxis.

Bei dem Root Planing handelt es sich um ein thermoreversibles flüssiges Gel, dessen Wirkung nach 30 Sekunden für 30 Minuten anhält. Das ist einerseits für Herz-Kreislaufpatienten (Risikopatienten), bei denen das Nachspritzen von Lokalanästhetikum schnell zum Risiko werden kann, ein Segen. Da es sie so schonend wirkt, wird diese Methode sogar von Kinderzahnärzten angewandt. Beim Einsatz in bis zu 5 mm tiefen Zahnfleischtaschen, lassen sich diese per Laser oder Ultraschall schmerzfrei reinigen.

Die Reinigung der Zahnfleischtaschen beim Zahnarzt gehört innerhalb der Prophylaxe zur wichtigen Vermeidung von Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), welche langfristig zur Parodontose mit einhergehendem Knochenverlust und zur Lockerung von Zähnen führen kann.

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Dr.med.dent. Frank Seidel, Zahnarzt für Oralchirurgie, TSP Implantologie
Tel.: 033203 - 85200, 14532 Kleinmachnow bei Berlin (Potsdam Mittelmark)



Letzte Aktualisierung dieser Seite von Author : 12.09.2016

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