Trigeminusnerv und Trigeminusneuralgie

Eine Neuralgie des Trigeminusnervs kann die Ursache für starke Gesichtsschmerzen sein.

KopfschmerzenSchmerzen im Kopfbereich wirken besonders intensiv und quälend. Wer unter ihnen leidet, möchte sie schnellstmöglich wieder loswerden. Um den Schmerz dauerhaft zu beseitigen, ist die Ursache zu ermitteln. Schließlich geht es nicht allein um die Schmerzbeseitigung.

Ein Schmerz ist stets ein Signal dafür, dass im Körper etwas nicht in Ordnung ist. Mal handelt sich um eine leicht behebbare Befindlichkeitsstörung ohne ernste Gesundheitsgefährdung. Mal steckt jedoch ein Geschehen dahinter, das dringend behandlungsbedürftig ist, um einen fortschreitenden ungünstigen Prozess zu stoppen. Gesichtsschmerzen mit Ausstrahlung in den Unterkiefer sind für einen Zahnarzt dabei zumeist ein Indiz für eine Trigeminusneuralgie, die im Volksmund salopp oft auch als „Trigeminus“ bezeichnet wird.

Inhaltsübersicht


Welche Ursachen können Schmerzen im Gesichts- und Kopfbereich haben?

Zahnschmerzen ProjektionEs ist nicht immer einfach, Schmerzen auf den Grund zu gehen. Bei Zahnschmerzen liegt natürlich der Gang zum Zahnarzt nahe. Ursachen für Zahnschmerzen sind oft Karies, Risse im Zahnschmelz, Wurzelentzündungen, Parodontose oder Zahnfleischerkrankungen. Auch schlecht sitzende Zahnfüllungen, unbemerktes nächtliches Zähneknirschen oder nicht passgenau schließende Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer kommen als Schmerzursachen infrage.

Darüber sind auch Migräne und Depressionen als Auslöser für Kopf- und Gesichtsschmerzen anzusehen. Scheiden diese Beeinträchtigungen aus oder bestehen die Schmerzen nach Beseitigung dieser Beschwerden fort, ist in die Überlegungen zur Schmerzursache eine Trigeminusneuralgie mit einzubeziehen.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Eine Trigeminusneuralgie bezeichnet eine Reizempfindlichkeit des fünften Hirnnervs, dem sogenannten Trigeminusnerv. Störungen des Gesichtsnervs drücken sich oft über Gesichtsschmerzen aus, die in mehrere Kopfbereiche ausstrahlen, darunter den Unterkiefer. Die Symptome einer Trigeminusneuralgie ähneln dabei denen einer Migräne.

Was ist der Trigeminusnerv?

GesichtsnervBei dem Trigeminusnerv (Nervus trigeminus) handelt es sich um den fünften von zwölf Hirnnerven. Der Name des Trigeminusnervs sagt aus, dass er ein dreigeteilter Nervus ist. Seine Fasern laufen in drei Astenden aus: je einen Nervenast für den Augapfel, Oberkiefer und Unterkiefer. Entsprechend teilen sich die Versorgungsaufgaben des Trigeminusnervs auf, um verschiedenen Kopf- und Gesichtsbereichen Sensibilität zu verleihen:

  • Augapfelnerv: Augenhöhle, Bereich der Nasennebenhöhlen, Schleimhaut der Nasenscheidewand, Stirn- und Nasenhaut
  • Oberkiefernerv: Nasenhöhlenschleimhaut, Hautbereich zwischen Unterlid und Oberlippe, Gaumen sowie Oberkiefer inklusive Zähnen und Zahnfleisch, Teil vom Schläfenbereich
  • Unterkiefernerv: Haut zwischen Kinn und Schläfen, Unterkiefer inklusive Zähnen und Zahnfleisch, vordere zwei Drittel der Zunge, Kaumuskulatur


Oberkiefernerv mit ÄstenBesonders sensibel sind die Seitenäste des Trigeminusnervs. Diese haben eine starke Bedeutung für die Zähne. So können selbst leichte Reizungen des Trigeminusnervs extrem unangenehm werden und in peinigenden Zahnschmerzen gipfeln. Sogar ein zartes Tippen auf eine bestimmte Stelle genügt, um hier den Trigeminusnerv zu reizen und schmerzvoll das Gesicht verziehen zu müssen.

Wie äußert sich eine Trigeminusneuralgie?

Symptome einer Migräne infolge einer TrigeminusneuralgieDie feinen Fasern vom dreigeteilten Trigeminusnerv reagieren empfindlich und schmerzhaft auf vielfältige Weise. Die Schmerzen lassen sich mal eindeutig als Zahnschmerzen identifizieren oder ähneln eher den Symptomen einer Migräne.

Typische Trigeminus Schmerzen treten plötzlich und heftig auf, überwiegend nur auf einer Seite, wobei ihre Dauer oft nur ein paar Sekunden beträgt. Dabei kann diese Neuralgie der Nervus Fasern mehrmals täglich (bis zu 100 Mal) auftreten.

In einigen Fällen kommt es auf der betroffenen Gesichtshälfte zusätzlich zu Speichel- oder Tränenfluss, Muskelzuckungen und -krämpfen oder Hautrötungen. Trotz zwischenzeitlicher Beschwerdefreiheit fürchten sich Betroffene vor der nächsten spontanen Schmerzattacke.

Formen der Trigeminusneuralgie

Während bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie zwischen den einzelnen Schmerzattacken Schmerzfreiheit besteht, bleiben bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie häufig ein dumpfes Schmerzgefühl oder Missempfindungen bestehen. Begleitet wird die Erkrankung oftmals von einer depressiven Verstimmung, die von der ungeheuren psychischen Belastung herrührt.

Welche Ursachen hat eine Trigeminusneuralgie?

Bruxismus (Zähneknirschen) als Auslöser einer TrigeminusneuralgieUrsächlich als Reizauslöser am Trigeminusnerv können freiliegendes Zahndentin sein oder selbst winzigste Risse im Zahnschmelz. Aber auch Karies, Wurzelentzündungen, Parodontose und Zahnfleischerkrankungen können als Ursache ausgemacht werden.

Darüber hinaus kann auch nächtliches Zähneknirschen morgendliche Kopf- oder Nackenschmerzen oder Schmerzen im Ober- und Unterkiefer bedingen. Weitere Ursachen für eine Neuralgie können in einer lokalen Einengung des Nervs liegen, in Verletzungen, Entzündungen oder Tumoren liegen. Gelegentlich kommt es auch im Laufe zahnärztlicher Therapien zu Reizungen des Nervs, die von nur leichten Irritationen bis zur ausgeprägten Neuralgie reichen. Ebenfalls beobachten lässt sich bei manchen Menschen ein sogenannter Trigger als auslösendes Schmerzmoment: zum Beispiel ein Berührungsreiz im Gesicht, ein Luftzug, Sprechen, Kauen, Zähneputzen sowie Stress.

Allerdings kann es auch geschehen, dass sich zunächst kein Anlass für eine Trigeminusneuralgie ausmachen lässt. Wenn der Zahnbereich oder eine Migräne offenbar nicht ursächlich ist, müssen Fachärzte weiterer Disziplinen zur Diagnosefindung hinzugezogen werden. Es ist nämlich bei einem gereizten Trigeminusnerv außerdem an Erkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose, Herpes Zoster oder Schläfenarterienverkalkung zu denken. Ebenfalls können sich psychosomatisch bedingte Schmerzen über eine Trigeminusneuralgie ausdrücken. In einigen Fällen führen auch bestimmte Medikamente, Diabetes mellitus oder hormonelle Störungen zu trigeminusbedingten Gesichtsschmerzen oder einer irrtümlichen Migräne.

Welche Folgen hat eine Trigeminusneuralgie?

Starke Schmerzen infolge einer TrigeminusneuralgieDie Gesichtsschmerzen bei einer Trigeminusneuralgie zählen zu den stärksten Schmerzen, die es gibt. Die Betroffenen sind daher hinsichtlich ihrer Lebensqualität mitunter sehr stark beeinträchtigt. Personen, die durch die häufig auftretenden Schmerzanfälle nicht richtig essen können, verlieren an Gewicht. Einige müssen sich durch Zeichensprache oder durch das Schreiben von Zetteln verständigen, weil das Sprechen Schmerzattacken auslöst. Manchmal führen die Schmerzintensität und die Begleiterscheinungen dazu, dass die Patienten eine schwere Depression entwickeln.

Besteht die Krankheit über einen längeren Zeitraum, treten zwischen den einzelnen Schmerzereignissen zusätzlich ein Dauerschmerz oder ein Verlust der Sensibilität in der betroffenen Gesichtsregion auf. Werden ohne Rücksprache mit dem Arzt über eine längere Zeitspanne hoch dosierte Schmerzmittel eingenommen, können Schäden an der Leber oder den Nieren die Folge sein.

Welche Personen / Risikogruppen sind besonders gefährdet?

Betroffene einer TrigeminusneuralgieSpezifische Risikogruppen gibt es bei der Trigeminusneuralgie nicht. Frauen sind jedoch etwas häufiger betroffen als Männer (Verhältnis 1,5 :1). In der Regel beginnt die Erkrankung nicht vor der 4. Lebensdekade. Ein höheres Risiko, an dieser Reizung des Trigeminusnervs zu erkranken, haben möglicherweise Personen mit multipler Sklerose, Gehirntumoren, Gefäßmissbildungen im Bereich des Hirnstammes und Schlaganfallpatienten.

Wie häufig tritt eine Trigeminusneuralgie auf?

Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um eine verhältnismäßig seltene Erkrankung. Die Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr beträgt 4 bis 6 von 100.000 Menschen. Am häufigsten betroffen sind der zweite und dritte Trigeminusast zusammen. Danach folgen beide Äste jeweils allein. Ein beidseitiger Befall und die Beteiligung des ersten Trigeminusastes treten hingegen nur vereinzelt auf.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie behandelt?

Vor der Behandlung steht die gründliche Diagnose. Eingriffe ohne eindeutige Indikation, die sich anschließend als überflüssig erweisen, verursachen unnötige Kosten und körperliche Beschwerden für den Patienten. Dazu bleiben sie nicht nur einfach erfolglos, sondern können die Neuralgie sogar verstärken. Ein verantwortungsbewusster Zahnarzt wird daher weder leichtfertig mit der Gabe von Medikamenten experimentieren noch vorschnell operieren, auch wenn beide Behandlungen sinnvoll sein können - jedoch: erst nach der feststehenden Diagnose!

Wann sollte man zum Zahnarzt?

Zahnärztliche Behandlung zur Beseitigung der SchmerzursacheWer mehrfach unter akut einsetzenden heftigen Gesichtsschmerzen oder starken Zahnschmerzen leidet, sollte umgehend einen Zahnarzt aufsuchen. Selbst wenn Zahnschmerzen nicht auf einer Irritation des dreigeteilten Nervus beruhen, ist es Zeit für einen Zahnarztbesuch. Zahnbeschwerden gehen nicht von selbst wieder zurück. Im Gegenteil: Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, dass sich ein Krankheitsbild nicht weiter verschlimmert. Hinzu kommt, dass eine Behandlung auf Wunsch auch unter Sedierung schmerzfrei abläuft, und ein frühzeitiger Beginn weitaus angenehmer und kürzer ausfällt als später.

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Welche Behandlungsmethode verspricht Erfolg?

Kein Einsatz von Schmerzmitteln bei einer TrigeminusneuralgieDa die Schmerzattacken bei gereiztem Trigeminusnerv häufig nur kurz andauern, bringt der Einsatz von Schmerzmedikamenten nichts. Bei zugrunde liegenden Zahnbeschwerden beziehungsweise Zahnerkrankungen gilt es, diese zügig zu behandeln, wonach sich die Neuralgien des Drillingsnervs häufig legen. Hierbei kommen erprobte Behandlungsmethoden wie Gebisssanierungen, Wurzelspitzenresektionen sowie Parodontose- und Zahnfleischspezialbehandlungen zur Behebung des Problems infrage.

Bei Zähneknirschen helfen individuell angepasste und nachts zu tragende Aufbissschienen sehr gut, eventuell begleitet von psychotherapeutischen Maßnahmen. Um die Schmerzen in den Griff zu kriegen, empfiehlt es sich weiterhin, Zugluft und extremen Kälteeinfluss im Gesicht zu vermeiden. Im Winter ist es ratsam, die Gesichtshaut niemals ohne geeignete Hautschutzcreme der kalten Luft auszusetzen.

Welche Hausmittel können für eine Linderung der Beschwerden sorgen?

Frei verkäufliche und auch viele rezeptpflichtige Schmerzmedikamente, die beispielsweise bei Migräne zum Einsatz kommen, zeigen bei einer Trigeminusneuralgie meist keine Wirkung. Daher führt bei Nervenschmerzen im Gesicht kein Weg am Arzt vorbei. Nur durch eine geeignete Therapie lassen sich die Schmerzanfälle lindern oder vollständig verhindern. Es ist jedoch sinnvoll, die schulmedizinische Behandlung durch Haus- und Naturmittel zu ergänzen.
Verwendung von Naturheimitteln
Ein altbewährtes Mittel gegen einen überreagierenden Trigeminusnerv ist der sogenannte Hexenschuss-Tee, der recht gut gegen Schmerzen verschiedener Nerven hilft. Zwar sprechen nicht alle Betroffenen auf dieses Hausmittel an, einen Versuch ist es jedoch allemal wert. Mit Kampfer-Öl aus der Apotheke wurden ebenfalls bereits Erfolge erzielt. Hierzu werden über einen Zeitraum von acht Tagen 15 Knoblauchzehen in 50 Gramm Kampferöl angesetzt und danach durchgeseiht und ausgepresst. Mit der hierbei entstehenden Flüssigkeit werden die schmerzenden Areale eingerieben. Vielen Betroffenen hilft auch das Einreiben mit Johanniskrautöl.


Letzte Aktualisierung dieser Seite von Author : 19.11.2015

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